Politik&Gesellschaft

Alles ist in Bewegung.

Was uns noch in der jüngsten Vergangenheit als sicher erschien und als unveränderliche Konstanten des gesellschaftlichen Raums unsere Wahrnehmung prägte, ist dem Gefühl gewichen, das alles noch Bestehende von einer Sturmflut der Veränderungen hinweggespült wird.

Viele Gewissheiten der letzten Jahrzehnte tragen nicht mehr:

  • Atomare Abschreckung und Verhandlungen als fragile Friedenssicherung,
  • Bretton-Woods-Institutionen mit dem Dollar als Weltwährung,
  • Unser fossiles Wachstumsmodell bedroht die Existenz der Menschheit,
  • Westliche Technologieführerschaft wird in Frage gestellt.
  • Digitalisierung und Künstliche Intelligenz führen zu einer Veränderung der Arbeitsprozesse.

Die herrschende Klasse und ihre politischen Interessenvertreter haben auf neue Herausforderungen nur alte, neoliberale Antworten:

  • Sicherheitsrhetorik: Kriegswirtschaft und Militarisierung werden als Garanten einer friedlichen Zukunft dargestellt.
  • Verdrängung der Klimakrise: Fossile Energien werden gefördert – nachhaltige Maßnahmen gegen den Klimawandel den kurzfristigen Profitinteressen der Energiekonzerne geopfert.
  • Abbau der sozialen Infrastruktur: Appelle zu sozialen Opfern, Tatenlosigkeit gegenüber der Mietenexplosion, Angriff auf erkämpfte Arbeitsrechte.

Um diesem gesellschaftspolitischen Kurs, der sich gegen die Interessen der Mehrheit der Menschen in unserer Gesellschaft richtet, etwas entgegenzusetzen, brauchen wir einen anderen Diskurs. Einen Diskurs, der die neoliberalen Narrative – „der Markt wird es schon richten“ oder „in unserem Land muss mehr gearbeitet werden“ – in Frage stellt. Die Hegemonie der neoliberalen Ideologie, die auf dem erbärmlichen Dogma der angeblichen Alternativlosigkeit beruht, muss in Frage gestellt werden. Es gibt keinen Zeitgeist, der sich jenseits gesellschaftlicher Interessen bildet. Goethe wusste:

Was Ihr den Geist der Zeiten heißt,

das ist im Grund der Herren eigener Geist,

in dem die Zeiten sich bespiegeln. (Goethe, Faust)

Um den Wandel im progressiven Sinn zu prägen, braucht es produktiven Streit über konkrete Alternativen. Wir wollen unter der Überschrift „Politik und Gesellschaft“ Texte zur Verfügung stellen, die in kritischer Auseinandersetzung mit herrschenden Ideologemen eine progressive, menschenzentrierte und bedürfnisorientierte Konzeption zukünftiger Gesellschaft repräsentieren. Autor*innen unterschiedlicher Provenienz, die sich diesem Anspruch verpflichtet fühlen, sind eingeladen, sich einzubringen.