Die Initiative „Mit Jesus und Marx“ unterstützt die Petition von Pax Cristi , die sich gegen die Funktionalisierung der Seelsorge für Kriegsplanung und Militarisierung der Gesellschaft richtet.
Seit September 2025 liegt ein ökumenisches „Rahmenkonzept Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall“ der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz vor. Dieses Konzept konkretisiert Handlungsstrategien, wie sie der geheime „Operationsplan Deutschland“ wohl für Religionsgemeinschaften und deren Seelsorge vorsieht. Das Rahmenkonzept übernimmt unhinterfragt sicherheitspolitische Prämissen und Annahmen der Bundesregierung im Blick auf „Szenarien militärischer Bedrohung und gewaltsamer Konflikte, die auch Deutschland unmittelbar betreffen können“. Seelsorge wird dabei eng gefasst und als unmittelbarer Beistand für den/die Nächsten definiert. Eine friedenspolitische Einordnung fehlt ebenso wie eine friedensethische Reflexion der Rolle der Kirchen und ihrer Glieder zur Verhinderung eines Kriegsfalls und im Krieg selbst.
Das Rahmenkonzept erweckt insgesamt den Eindruck, als ob in vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem Staat im Geiste der „Zeitenwende“ kirchliche Arbeit, vor allem in den Bereichen von Klinik-, Notfall-, Polizei-, Gefängnis- und Gemeindeseelsorge, auf kriegerische Auseinandersetzungen vorbereitet werden soll. In Zusammenarbeit mit Diakonie und Caritas sollen dabei kirchliche Sondermittel eingesetzt und Personal ausgebildet werden. Indem das Konzept den Kriegsfall unhinterfragt zur Voraussetzung aller praktischen Überlegungen macht, bereitet es – gewollt oder ungewollt – den Krieg selbst sprachlich und gedanklich mit vor. Als hätten die Kirchen aus der Geschichte nichts gelernt, folgen sie dem überkommenen Motto: Wer den Frieden will, muss den Krieg vorbereiten.
Beide Kirchen bewegen sich mit ihrem sogenannten Rahmenkonzept in der unheilvollen Tradition kirchlicher Unterstützung für einen militaristischen und kriegstreiberischen Kurs der jeweils herrschenden politischen Gewalt. Beide Kirchen haben während der Herrschaft des deutschen Faschismus als offizielle Institutionen ihre Gläubigen bis zum letzten Augenblick zum Gehorsam gegenüber der nationalsozialistischen Staatsgewalt und zum willigen Opfergang in ihren Kriegen aufgefordert. Diese Haltung ist durch zahlreiche Dokumente belegt und sie hat ohne Zweifel zur ideologischen Rechtfertigung faschistischer Angriffskriege und zur Stabilisierung der NS-Herrschaft geführt.
Insbesondere die Würdenträger der katholischen Kirche in der Bischofskonferenz, die doch angeblich gegenüber den Bedürfnissen ihrer Gläubigen in einer modernen Gesellschaft so aufgeschlossen sind, muss man fragen, warum sie sich ausgerechnet in der essenziellen Frage des Friedens in offensichtlichen Widerspruch zur friedenskämpferischen Haltung ihres Oberhaupts begeben.
Zur Haltung von Papst Leo XIV zitieren wir im Folgenden einen Artikel von Angelina Giannopoulou auf der Website von Transform (https://transform-network.net/blog/analysis/an-anti-war-catholic-church/)
„Das Aufkommen eines unverhohlenen imperialistischen Diskurses – der das Völkerrecht und die gesamte internationale Ordnung der Nachkriegszeit offen missachtet – hat alle politischen Akteure bloßgestellt vor der Frage, wofür sie tatsächlich stehen. In dieser Konstellation stellt die Haltung der katholischen Kirche, die in den kühnen und unmissverständlichen Positionen von Papst Leo XIV. verankert ist, aber weit über diese hinausgeht, einen entscheidenden Moment in einem Konflikt dar, der tiefgreifende ideologische Dimensionen hat; einen Konflikt, bei dem es um nichts Geringeres geht als um die Bildung eines neuen kollektiven Ethos für die sogenannte westliche Welt.
Die Konfrontation mit dem Trumpismus
Papst Leo XIV., der zunächst weniger geneigt schien zu den unverblümten öffentlichen Interventionen, die seinen Vorgänger Franziskus geprägt hatten, machte schnell deutlich, dass er nicht die Absicht hat, den öffentlichen Raum der fieberhaften Kriegstreiberei des Trumpismus oder der breiteren „Internationale der Reaktion“ zu überlassen. Er trat in direkte Konfrontation mit dem US-Präsidenten und löste damit eine Reihe von Reaktionen seitens der amerikanischen Präsidentschaft aus, die ins Absurde abglitten. J.D. Vance – der 2019 den Katholizismus „entdeckte“ – belehrte den Papst daraufhin, „bei theologischen Themen vorsichtiger zu sein“, während Trump dem Pontifex vorwarf, „der radikalen Linken nach dem Mund zu reden“ und „zu nachsichtig gegenüber Kriminalität“ zu sein, nachdem der Papst den Krieg der USA und Israels gegen den Iran verurteilt hatte. Was einigen zunächst als symbolische Ernennung erschien – der erste nordamerikanische Pontifex als moralisches Gegengewicht zum Trumpismus – erweist sich genau als das.
Die ersten Worte von Papst Leo XIV. nach seiner Wahl waren ganz dem Frieden gewidmet: „Friede sei mit euch… Dies ist der Friede des auferstandenen Christus, ein unbewaffneter und entwaffnender Friede, demütig und beharrlich“, womit er signalisierte, dass die katholische Kirche sich nicht nur weigert, den großen imperialistischen Mächten jegliche Form von Legitimität zu verleihen, wenn diese in souveräne Staaten einmarschieren, Völkermord an Völkern begehen und gewählte Führer entführen, sondern dass sie beabsichtigt, fest im Lager der Antikriegsbewegung zu stehen: an der Seite jeder sozialen, politischen und institutionellen Stimme, die auf nachhaltigen Frieden drängt und daran arbeitet, die Bedingungen zu sichern, die ihn ermöglichen.(…)
Papst Leo XIV. scheint schon seit seiner Jugend eine kriegsfeindliche Haltung eingenommen zu haben: Als junger Mann demonstrierte er gemeinsam mit anderen Augustinern als „Agostiniani per la pace“ (Augustiner für den Frieden) gegen die Stationierung von Euromissiles bei der Großdemonstration in Rom am 22. Oktober 1983. Das kürzlich von der italienischen Zeitung Il Manifesto veröffentlichte Foto, das einen jungen Robert Prevost unter den Demonstranten zeigt, wurde von Gianni Novelli, einem Stigmatinerpriester und Friedensaktivisten, aufgenommen. Der Papst scheint zudem von der Befreiungstheologie geprägt zu sein, und viele seiner früheren Äußerungen offenbaren die Schärfe seiner Kritik an der gegenwärtigen sozioökonomischen Ordnung.“

Roml 22 Oktober 1983, Der junge Robert Prevost, zukünftiger Papa Leone XIV, auf einer Kundgebung gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen
Wir bitten alle Friedensfreund*innen, die Petition von Pax Christi zu unterstützen. Den Wortlaut der Petition findet Ihr unter diesem Link:

