Minderjährige in der Bundeswehr – ein fortwährender Skandal

„Kriegstüchtig werden“, „Neuer Wehrdienst“, „Pflichtfragebogen“, „Wehrerfassung“ – so lauten Schlagzeilen, die weiterhin in den politischen Debatten eine wichtige Rolle spielen. Doch zwei Themen segeln weiterhin unter dem Radar, die mit den genannten Problemfeldern in engem Zusammenhang stehen: Minderjährige in der Bundeswehr und Werbung bei Jugendlichen für die Bundeswehr.
Für beide Verstöße gegen die Grundsätze der UN-Kinderrechtskonvention (https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/kinder-und-jugend/kinderrechte/vn-kinderrechtskonvention/un-kinderrechtskonvention-86544) ist Deutschland bereits mehrfach vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes gerügt worden, zuletzt im September 2022 (https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/203220/dbb39ecff4cbb27f2569247c72332955/abschliessende-bemerkungen-zum-kombinierten-fuenften-und-sechsten-staatenbericht-deutschlands-data.pdf).
Seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 haben bis Ende 2025 etwa 25.000 minderjährige Soldatinnen und Soldaten ihren Bundeswehrdienst aufgenommen; die Zahlen bewegen sich seit Jahren auf hohem Niveau.
2018 wurde das Bündnis „Unter 18 nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr“ gegründet (https://unter18nie.de/), das von verschiedenen Organisationen aus den Bereichen der Friedens- und Menschenrechtsinitiativen, Kirchen und Gewerkschaften getragen wird. Ziel ist, die beiden Forderungen
– Anhebung des Rekrutierungsalters für den Militärdienst auf 18 Jahre
– das Verbot jeglicher Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen
endlich durchzusetzen. Der öffentliche Protest (zuletzt in Form eines Offenen Briefes https://unter18nie.de/2026/02/27/offener-brief-an-verteidigungsminister-pistorius/) blieb bisher folgenlos.
Niedrigschwelliger und wenig aufwändiger öffentlicher Widerspruch ist möglich und wird durchaus auch von der Lokalpresse wahrgenommen. Dies belegt das Engagement einer kleinen stabilen Gruppe Aktiver des ‚FriedensForum Bonn’, die sich monatlich am Bonner Martinsplatz zu einer Mahnwache einfindet (Fotos) (Termine https://www.mitjesusundmarx.de/aktuelles/). Interesse, Zustimmung, Ermunterung, wenig Kritik, keine offenen Anfeindungen kennzeichnen die Begegnungen mit den Passantinnen und Passanten. Häufig werden offene, intensive und selten nur oberflächliche persönliche Gespräche geführt.
Am Weltkindertag 2023 startete in Bonn die Kampagne „Nie wieder Jugendliche zum Militär!“ (Foto anbei) mit ihrer Unterschriftensammlung für den ‚Bonner Appell’(LINK folgt; Text anbei). Dieser ist an die politischen Entscheidungsträger in Bonn gerichtet; sie sollen sich nachdrücklich bei Städtetag, Bundesregierung und Bundestag für die notwendigen gesetzlichen Änderungen einsetzen, damit
keine Daten von Jugendlichen von den Meldeämtern an die Bundeswehr weitergegeben werden,
die Bundeswehr die auf Jugendliche ausgerichtete Werbung beendet,
keine Jugendlichen mehr von der Bundeswehr für den Militärdienst eingestellt werden.
Armin Lauven, Bonn
Beratungsangebote zur Kriegsdienstverweigerung bundesweit https://dfg-vk.de/verweigerung/, für Bonn https://dfg-vk-bonn-rhein-sieg.de/kdv.php#kdv2025-1

