Minderjährige in der Bundeswehr – ein fortwährender Skandal
„Kriegstüchtig werden“, „Neuer Wehrdienst“, „Pflichtfragebogen“, „Wehrerfassung“ – so lauten Schlagzeilen, für die Minister Pistorius gegenwärtig in immer kürzeren Abständen sorgt. Doch zwei Themen segeln weiterhin unter dem Radar, die mit den genannten Problemfeldern in engem Zusammenhang stehen: Minderjährige in der Bundeswehr und Werbung bei Jugendlichen für die Bundeswehr. Für beide Verstöße gegen die Grundsätze der UN-Kinderrechtskonvention ist Deutschland bereits mehrfach vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes gerügt worden, zuletzt im September 2022. Trotz vernehmbaren öffentlichen Protests weiterhin folgenlos!
Seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 haben über 20.000 minderjährige Soldatinnen und Soldaten ihren Bundeswehrdienst aufgenommen; die Zahlen bewegen sich seit Jahren auf stabilem hohen Niveau.
Problematisch ist in diesem Kontext vor allem auch die Weitergabe von Daten Minderjähriger an die Bundeswehr durch die Einwohnermeldeämter. Diese Daten werden zur Bundeswehr-Werbung genutzt. Jeder Jugendliche erhält nach seinem 17. Geburtstag unaufgefordert eine Info-Postkarte der Bundeswehr. Nur wenn Jugendliche oder ihre Eltern der Datenweitergabe aktiv beim Einwohnermeldeamt widersprechen, kann diese vermieden werden. Um den Automatismus der Datenweitergabe zu beenden, bedarf es dringend einer Änderung des Soldaten- und des Bundesmeldegesetzes!
Die einseitige und verführerische Bundeswehrwerbung stellt das Militär als attraktiven und normalen Arbeitgeber dar, hebt den Abenteuer- und Spaßcharakter des Soldatendienstes durch große Versprechungen und ‚schöne’ Bilder hervor, verschweigt allerdings Gefahren (Angst-, Belastungsstörungen, Depressionen) und blendet die entscheidenden Themen Tod und Töten aus. Gezielt an Jugendliche gerichtete Werbung muss umgehend verboten werden!
Es ist an der Zeit, dass die verantwortlichen Bundespolitiker noch dringlicher dazu aufgefordert werden, die Aussage des Koalitionsvertrages „Ausbildung und Dienst an der Waffe bleiben volljährigen Soldatinnen und Soldaten vorbehalten“ nun endlich umsetzen. 151 Staaten der Welt halten den 18-Jahre-Standard bereits ein, Deutschland weigert sich anhaltend!
Niedrigschwelliger und wenig aufwändiger öffentlicher Widerspruch ist möglich und wird durchaus von der Lokalpresse wahrgenommen. Dies belegt das Engagement einer kleinen stabilen Gruppe Aktiver des ‚Friedensforum Bonn’, die sich monatlich am Bonner Martinsplatz zu einer Mahnwache einfindet. Interesse, Zustimmung, Ermunterung, wenig Kritik, keine offenen Anfeindungen kennzeichnen die Begegnungen mit den Passantinnen und Passanten. Häufig werden offene, intensive und selten nur oberflächliche persönliche Gespräche geführt.
Am Weltkindertag 2023 startete in Bonn die Kampagne „Beendet die Rekrutierung Minderjähriger! Keine Bonner Jugendlichen in die Bundeswehr!“. Im Rahmen der Bonner Friedenswochen 2024 begann die Unterschriftensammlung für den ‚Bonner Appell’. Dieser ist an die politischen Entscheidungsträger in Bonn gerichtet: diese sollen sich nachdrücklich bei Städtetag, Bundesregierung und Bundestag für die notwendigen gesetzlichen Änderungen einsetzen, damit
- keine Daten von Jugendlichen von den Meldeämtern an die Bundeswehr weitergegeben werden,
- die Bundeswehr die auf Jugendliche ausgerichtete Werbung beendet,
- keine Jugendlichen mehr von der Bundeswehr für den Militärdienst eingestellt werden.
Ähnliche Vorhaben auch in anderen Kommunen der Region anzustoßen und entsprechend zu unterstützen, ist natürlich ein wichtiges Anliegen der Bonner Gruppe.
Inzwischen haben fünfzehn Mahnwachen stattgefunden, durch die wir die Problematik ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt haben. Wir werden auch im Rahmen der Bad Godesberger Sommerfeste, der Internationalen 1. Mai-Feste, des CSD, der Bonner Friedenstage und der Bonner Aktionstage für Kinderrechte mit dem Thema präsent sein und uns mit Wahlprüfsteinen in den Bundestags- und Kommunalwahlkampf einmischen.
Armin Lauven, Bonn
Der Friedensaktivist Armin Lauven, der Mitglied unserer Initiative ist, hat am 23. September 2025 der Tageszeitung „Junge Welt“ ein Interview gegeben, dessen Inhalt wir im Folgenden wiedergeben. Ihr könnt es als PDF herunterladen.

